Der Natur auf des Spur

Bericht von der Integrativen Freizeit in der Waldjugendherberge Windeck-Rosbach
12.-14.3.2004
von Charlotte Weber

Die Brühler Elterninitiative ‚Gemeinsam Lernen – für einen integrativen, gemeinsamen Unterricht – von der Grundschule an’ beschloss auf einem ihrer Treffen, gemeinsam ein Wochenende zu verbringen.

Vom 12. bis zum 14. März 2004 trafen sich 11 Familien in der Wald-Jugendherberge in Windeck-Rosbach unter dem Motto ‚Der Natur auf der Spur’. Sie wollten Integration leben, sich gegenseitig und die Kinder besser kennenlernen und den Wald um die Jugendherberge zur Erkundung nutzen.

Freitags reisten die Familien mit dem Zug oder mit dem Auto an. Die Jugendherberge ist von Brühl in 1 ˝ Stunden mit der S-Bahn zu erreichen. Daran schloss sich eine Wanderung aus dem Siegtal auf die Höhen an, wo die Jugendherberge am Waldrand liegt. Die kleine Schneeballschlacht auf dem Weg machte allen viel Spaß!

Nach dem Abendessen folgte eine kurze Kennenlern-Runde, bei der sich alle - gemäß dem Motto des Wochenendes - ein Namensschild in Form eines Tannenbaumes ansteckten.

Anschließend wurden die Kinder zu Bett gebracht. Jede Familie hatte ein eigenes Zimmer, so dass genügend Rückzugsmöglichkeiten vorhanden waren.

Zu vorgerückter Stunde trafen sich die Erwachsenen zu einem Sing- und Austauschabend am Kamin. Gitarre, Oboe und Bongos begleiteten die Sänger.

Am Samstagmorgen nach dem Frühstück musste sich die Gruppe mit den älteren Kindern und deren Eltern beeilen, denn der Förster wartete schon. Er führte die Gruppe etwa zwei Stunden durch den Wald und erörterte Themen wie ‚Was ist ein Baum eigentlich?’ oder erklärte die Chinesenbärte an den Buchen. Die Kinder hatten viel Spaß am Spiel ‚Die Fledermaus jagt die Mücke’.

Anschließend führte der Förster die kleineren Kinder mit ihren Eltern, dabei ertasteten sie Bäume, suchten an Fichtenzapfen nach Fraßspuren von Tieren und schauten sich die Früchte der Waldbäume an.

Nach den Nudeln mit Fleisch- oder Tomatensoße zu Mittag konnte jeder sich an den verschiedenen Angeboten beteiligen.

Im großen Bastelraum stellen die Kinder Natur-Webrahmen her. Sie sammelten im Wald fingerdicke Stöcke, die dann mit Säge und Schraubstock auf die richtige Länge gebracht wurden. Anschließend mussten sie mit Nägeln oder Kordel zu einem Rahmen gefügt werden. Dieser wurde mit Kordel bespannt und dann webten die Kinder mit Naturmaterialien. Sie fügten Gräser, Nadeln, Tannenzapfen, Blätter, aber auch bunte Garne ein, so dass richtige Kunstwerke entstanden.

Manche bemalten auch das Bettlaken, das - mit dem Logo der Initiative versehen - später bei einem Stand als Tischtuch dienen soll.

In einer Ecke des Bastelraumes zogen die Papierschöpfer ein. Hier wurden wunderschöne Papiere, z.T. auch mit Blättern verziert, hergestellt. Für viele war es die erste Erfahrung mit dieser Technik, die im Grunde erstaunlich einfach ist. Das Material stellte die Verbraucher-Zentrale NRW in Brühl zur Verfügung.

Auf dem Fußballplatz fand sich eine Gruppe zusammen, die Fußball oder Basketball spielte und das herrliche Sonnenwetter genoss.

So blieb für die Sinneskiste, die die Jugendherberge zur Verfügung stellte, gar keine Zeit mehr.

Dagen wurden die Materialien aus der Straßenaktionskiste des Mobilitätsbeauftragten sehr rege nachgefragt. Hier konnten sich die Kinder sehr gut an den verschiedenen Geräten ausprobieren.

Nach dem Abendessen traf sich die ganze Gruppe zu einer Singrunde. Eine Teilnehmerin brachte wunderbare Bewegungslieder ein, an denen auch die Kleinen viel Spaß hatten.

Als die Kinder dann im Bett waren, hielt Herr Roebke einen sehr informativen Vortrag über die Entwicklung der Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen seit der Vorkriegszeit.

Daran schloss sich eine intensive Diskussion über das weitere Vorgehen der Initiative an, gerade auch auf dem Hintergrund der Erfahrungen dieser Tage. Die Initiative hatte sich vor fast genau einem Jahr gegründet und für die kurze Zeit schon viele Erfolge zu verzeichnen.

Am Sonntagmorgen traf sich die ganze Gruppe nach dem Auszug aus der Jugendherberge noch einmal am Schwungtuch, wobei z.B. alle Kinder über fünf oder alle Menschen mit einem ‚e’ im Namen unter dem Schwungtuch herlaufen durften. Als Abschlußlied wurde die ‚Tante aus Marokko’ gewünscht. Das Gruppenfoto zeigt die gute Stimmung, die herrschte. Einige machten sich danach zu einer kleinen Wanderung in den Wald auf, andere mussten schon nach Hause fahren.

Das Wochenende war für alle sehr anstrengend, es waren einfach viele Leute, viel Lärm, viele Gespräche. Es hat viele Menschen einander nähergebracht. Viele Informationen, viele Tipps wurden ausgetauscht. Dabei stand naturgemäß die Wahl der richtigen Schule im Mittelpunkt. Das auch Menschen mit Beeinträchtigungen dabei waren, ist nicht weiter aufgefallen. Genau das ist Integration.