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Brühl, 21. November 2004
Beratungsangebot und direkter Erfahrungsaustausch:
· Wie können beeinträchtigte Kinder im Gemeinsamen Unterricht schulisch integriert werden?
· Wie sind Stand und Möglichkeiten in Brühl und Umgebung?
· Wie können Konzept und Umsetzung des Gemeinsamen Unterrichts in Brühl vorangebracht werden? (à Runder Tisch)
Wer sind wir und was ist Gemeinsamer Unterricht?
Im März 2003 haben sich Eltern und weitere Interessent/innen aus Brühl und Umgebung zu einer Elterninitiative zusammengeschlossen. Die Initiative setzt sich für den gemeinsamen, integrativen Unterricht von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen (Handicap) in einer wohnortnahen Regelschule ein. Wichtig ist uns ein durchgängiger Integrationsweg unter geeigneten Bedingungen von der integrativen Tageseinrichtung über die Grundschule bis hin zur weiterführenden Schule. Weitere Mitstreiter/innen sind herzlich willkommen!

Warum finden Sie uns heute in der Montessori-Schule?
Weil – nach unserer Erfahrung – Eltern mit einem Kind mit Beeinträchtigung sich über alle Möglichkeiten informieren möchten, wie ihr Kind am besten als Mensch in seiner Teilhabe an der Gesellschaft und sonderpädagogisch gefördert werden kann.
Die Sonderpädagogische Förderung kann in NRW gleichwertig im integrativen Unterricht oder an Sonderschulen erreicht werden. Eltern stehen daher oftmals vor der schwierigen Entscheidung: Sonderschule oder Gemeinsamer Unterricht?
Wir können dazu als einen Baustein im Mosaik der Beratungsangebote direkten Erfahrungsaustausch aus der laufenden Integration von inzwischen drei Kindern an Brühler Regelgrundschulen anbieten sowie auch überregional Kontakte herstellen.
Auch wenn wir uns für den integrativen Weg engagieren, anerkennen wir die pädagogische Arbeit in Sonderschulen. Gemeinsamer Unterricht ist – unter den gegebenen Bedingungen – nicht notwendig für alle Kinder das Mittel der Wahl. Aber wohl für noch mehr Kinder als bisher, zumal im Vergleich mit einigen europäischen Vorreiterländern.
Zum Wohle der Kinder sind wir am Ausbau der Zusammenarbeit und Vernetzung mit allen Partnern interessiert, nicht an Gegensätzen. Wir werden auch einen Runden Tisch einrichten mit dem Ziel, die Bedingungen des Gemeinsamen Unterrichts im Alltag zu verbessern. Daher sind wir besonders dankbar, hier Gast sein zu dürfen.

Was ist bislang erreicht?
Drei Kinder aus unserer Initiative werden in Brühl in zwei verschiedenen Schulen integrativ unterrichtet. Dabei unterstützen Sonderpädagoginnen und Integrationshelferinnen.
Jannis, ein Kind mit Down-Syndrom und Mukoviszidose, besucht seit Herbst 2003 die Barbara-Grundschule. Joanne (mit Entwicklungsverzögerung) und Tilman (mit Down-Syndrom) wurden im Herbst 2004 zusammen in eine Klasse in die Martin-Luther-Grundschule eingeschult.
Beides ist keinesfalls selbstverständlich und für Brühl eine Premiere (siehe Presseberichte).
Hannes aus Brühl, bei dem der Beobachtungszeitraum verlängert wurde, fährt täglich nach Wesseling. Grundsätzlich steht ihm nun der gemeinsame Unterricht an der dortigen Goethe-Grundschule offen.
Woran arbeiten wir derzeit?
Bis Gemeinsamer Unterricht in Brühl mit geeignetem Konzept personell und organisatorisch an einer Schule verankert und im Alltag selbstverständlich ist, bleibt noch viel zu tun. Andernorts hat sich für die lokale Kommunikation und Koordination die Einrichtung eines Runden Tisches bewährt.
Wir
wünschen uns jetzt die Einrichtung eines solchen Runden Tisches in Brühl,
bei dem sich alle, die an gemeinsamem Unterricht beteiligt und interessiert
sind,
direkt austauschen.
Mit Hilfe dieses Forums wollen wir Menschen und Erfahrungen zusammenführen - auch über Stadtgrenzen hinaus -, Missverständnisse rasch ausräumen, Hilfsbedarf und Engpässe identifizieren, Hilfsangebote und Engagement ermöglichen und so Problemen abhelfen, Konzeption und Qualität des Gemeinsamen Unterrichts in Brühl nachhaltig weiterwickeln und durch Bündelung zersplitterter Ressourcen Kosten sparen.
Wer soll mit dabei sein?
Eltern und Elternvertretungen, Lehrer/innen/Sonderpädagog/innen, Integrationshelfer/innen, GU-Koordinator/innen, Kommunalpolitiker/innen, Kindergärtner/innen, Träger von Schulen und Fördermaßnahmen, weitere Expert/innen, …
Was sind unsere weiteren Ziele in 2004/2005?
Es geht uns nicht nur um beeinträchtigte Kinder, sondern grundsätzlich um unteilbare Integration. Kinder in Einzelintegration räumlich zusammenzufassen ist noch kein integratives Gesamtkonzept. Das Konzept „Gemeinsamer Unterricht in Brühl“ muss weiterentwickelt werden. Geeignete Voraussetzungen für Gemeinsamen Unterricht müssen durch lokale und landesweite Arbeit erhalten und ausgebaut werden. Integration soll in Brühler Schulen institutionell verankert sein – auch in der Sekundarstufe. Die praktische Vernetzung aller Beteiligten muss gefördert werden.
Sie möchten mehr über Gemeinsamen Unterricht und unsere Arbeit wissen?
Gerne informieren wir Sie in einem persönlichen Gespräch. Besuchen Sie unsere Website www.gemeinsam-lernen.net! Sie sind herzlich zu unseren monatlichen Treffen eingeladen (i.d.R. erster Montag im Monat). Wir beraten und unterstützen Sie, wenn Sie über integrativen Unterricht für Ihr Kind nachdenken. Wir vermitteln Kontakte und bringen am Thema Interessierte und Erfahrungen zusammen. Wir machen Lobbyarbeit. Sie können unsere Arbeit durch eine abzugsfähige Spende unterstützen.
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Bitte zurück an: Sprecherin: Cornelia Linz, Hannah-Arendt-Str. 34, 50321 Brühl, Tel. 02232/760852
Ja, bitte informieren/kontaktieren Sie mich.
So erreichen Sie mich: (Name, Anschrift, Telefon, Email)
Ich möchte wissen … / Ich möchte beitragen … / Meine Anregung … / Mein Kind … /
Integrative Schulklasse in Brühl
Kölner Stadtanzeiger![]()
von ari, 02.09.2004
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Mit Beginn des neuen Schuljahres werden zwei beeinträchtigte Kinder eine Regelschule besuchen.
Brühl - Tilmann (6) und Joanne (7) sind vor ihrem ersten Schultag ziemlich aufgeregt. Ab Montag werden sie als I-Dötzchen in die erste Klasse der Martin-Luther-Schule in Brühl gehen. Klingt ganz gewöhnlich, ist es aber nicht: Tilman hat das Down-Syndrom, Joanne leidet an einer Entwicklungsverzögerung. Ihre Grundschulklasse ist die erste an der Martin-Luther-Schule, die integrativ unterrichtet werden wird.
Für die Elterninitiative "Gemeinsam Lernen" ist das ein wichtiger Schritt hin auf dem Weg zu einer integrativen Grundschule. Vergangenes Jahr konnte sie gemeinsam mit der Stadt erreichen, dass mit dem kleinen Jannis das ersten Brühler Kind mit Down-Syndrom in der Regelschule eingeschult wurde. Jannis besucht die Barbaraschule. "Wir sind sehr froh, dass die beiden in der Martin-Luther-Schule einen Platz haben", erklärte Tilmans Mutter Cornelia Linz. Bis wenige Wochen vor den Ferien war unklar, ob eine Grundschule sich auf die Herausforderung einlassen würde. Eigentlich seien die Schulen zur Integration verpflichtet, erläutert Schuldezernent Andreas Brandt. Trotzdem setze die Stadt auf Freiwilligkeit. "Nur wenn alle, vom Kollegium bis zu den Eltern, dahinter stehen, kann das Konzept gelingen."
Für die Initiative "Gemeinsam Lernen" ist nur ein Etappenziel erreicht. Sie möchten in einer Grundschule eine integrative Eingangsklasse verankern. So könnten die didaktischen Spezialkenntnisse gebündelt werden. Zudem könnten die Förderstunden, die jedem Kind zustehen, addiert werden. Je mehr beeinträchtigte Kinder eine Klasse besuchen, desto größer die Zahl der Förderstunden, die eine Sonderpädagogin dort verbringt. Brandt hofft, dass sich bald eine Schule zur Aufnahme des integrativen Unterrichts in ihr Schulprogramm entschließt. "Aber der Impuls muss aus der Schule selbst kommen." (ari)
