Presseinformation vom 26.05.2004

zum GU-Hintergrundgespräch

Wer? Was?

Seit über einem Jahr engagieren sich derzeit knapp 40 Eltern in Brühl dafür, dass Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen (Handicap) ab dem Schuljahr 2004/2005 unter geeigneten Bedingungen nach einem integrativen Gesamtkonzept gemeinsam unterrichtet werden (Gemeinsamer Unterricht - GU).

Aktueller Anlass?

Bilanz

15 monatliche Treffen, 210 Mails im internen Verteiler und weit über tausend in dieser Angelegenheit, sicher ebenso vielen Stunden ehrenamtlichen Engagements, unermüdlich Gespräche mit Parteien, dem Kreisschulamt und dem Schulträger (das nächste am 7.6.2004), …

+ Erstes Kind mit Down-Syndrom (Jannis) in Regelgrundschule integriert

+ GU durch ca. 1.000 EUR private Spendenmittel gefördert

+ Schulausschuss am 24.7.2003 und am 20.11.2003 mit GU befasst. Valerie Schulz jetzt als sachkundige Einwohnerin zu GU im Schulausschuss

+ Thema in Brühl einschlägig besetzt

+ Starke Vernetzung erreicht, z.B. Kinderschutzbund, Agenda-Prozess, Gemeinsam Lernen Landesarbeitsgemeinschaft

ABER:

- Die bisherige Integration ist auf wenige Kinder in Einzelfall-Integration beschränkt.

- Diese Einzelintegration erfordert intensivstes Engagement der Eltern.

- Die Vernetzung umfasst noch nicht wirklich Schulen und Lehrkräfte

- Uns ist bis dato kein integratives Gesamtkonzept für Brühl bekannt.

- Wir kennen noch keine Brühler (Grund-)Schule, die GU in ihr Schulprogramm aufnehmen wird und an der wir uns für GU engagieren können.

- Es gibt noch keinen Brühler Arbeitskreis für GU, an dem GrundschullehrerInnen, SonderpädagogInnen, Eltern, der Schulträger und weitere Einrichtungen und Organisationen beteiligt sind. Wir können uns daher derzeit nicht in die Konzeptentwicklung und den Veränderungsprozess einbringen.

- Die konkreten personellen und organisatorischen Rahmenbedingungen für GU in Brühl sind uns noch nicht bekannt. Angesichts der hohen Klassenstärken sowie der aktuellen landesweiten Kürzungen für sonderpädagogische Förderung im GU in Verbindung mit dem Erlass zur Sonderpädagogischen Förderung vom 29.1.2004 (Amtsblatt 3/2004) befürchten wir jedoch, dass der Aufbau eines qualitativ hochwertigen neuen GU-Standortes in Brühl ernstlich gefährdet ist. Institutionell gesichertes Team-Teaching wie an Modell-Schulen kann es so nicht geben.

- Die Zuweisung für Mehrbedarf für GU-Lehrmittel war im laufenden Schuljahr unzureichend und wird auch im kommenden Schuljahr vermutlich nicht ausreichen.

- Die Zeit drängt, denn die Neueinführung von GU bedarf mehrerer Monate Vorlauf.

Warum? (Motivation, Vorteile)

Wer eine integrative Tageseinrichtung für Kinder baut, sollte auch für einen durchgängigen schulischen Integrationsweg für diese Kinder sorgen, um soziale Teilhabe statt Aussonderung und das UN-Kinderrecht auf Bildung praktisch zu verwirklichen. Integration sollte institutionalisiert und normalisiert werden, damit Eltern nicht ständig neu dafür kämpfen müssen. Integration ist unteilbar.

Wie im Flyer (http://www.gemeinsam-lernen.net/Flyer/) skizziert, bietet GU – seit über 25 Jahren bewährt und intensiv untersucht - viele Vorteile, sowohl für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die anders angeregt werden, als auch für Kinder ohne Beeinträchtigungen, die höhere Sozialkompetenz erwerben und bei moderner, zieldifferenter Didaktik mit Wochenplänen auch selbständiger und besser lernen können. Bei vernetzter Betrachtung des Gesamtsystems ist GU überdies kostengünstiger.

Was in Bonn und Köln entwickelt wurde, sollte endlich auch in Brühl und im Rhein-Erft-Kreis möglich sein.

GU ist in Brühl politisch gewollt

"Der Bürgermeister begrüßt und unterstützt die integrative Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen. …

Die Stadt Brühl und das Kreisschulamt sind übereingekommen, die integrative Beschulung für die Stadt Brühl konzeptionell weiterzuentwickeln, mit dem Ziel, durch die Bündelung finanzieller und personeller Ressourcen die Möglichkeit integrativer Beschulung zu erweitern." (Schulausschuss 20.11.2003)

GU ist gesetzlich gleichwertig, aber strukturell unterentwickelt

Nach dem NRW-Gesetz zur Weiterentwicklung der sonderpädagogischen Förderung in Schulen vom 24.4.1995, §7 Schulpflichtgesetz ist die sonderpädagogische Förderung im gemeinsamen Unterricht an Regelschulen der Förderung an Sonderschulen gleichwertig. Tatsächlich wird aber die überwiegende Mehrheit der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf nach wie vor an Sonderschulen unterrichtet. Da die Kapazität des Gemeinsamen Unterrichts planwirtschaftlich künstlich beschränkt ist, werden sogar Kinder an Sonderschulen unterrichtet, deren Fachgutachten als Förderort den Gemeinsamen Unterricht empfehlen (Verfahren zur Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs und die Entscheidung über den schulischen Förderort - VO-SF).

Wir Eltern sind überzeugt, dass auch nach fachlicher Einzelfall-Prüfung, durch welchen Förderort das Kindeswohl am besten verwirklicht werden kann, noch viel mehr Kinder als bisher im GU sein sollten und GU in Deutschland strukturell benachteiligt wird. Die einzige Grenze für Integration ist, dass Lehren und Lernen für Schüler und Lehrer noch unter angemessenen Qualitätsstandards möglich ist. Damit hängt die so genannte Integrierbarkeit von Kindern mit Beeinträchtigungen weniger von den Kindern selbst denn von den Rahmenbedingungen der Ressourcen im GU ab. Finnland als PISA-Vorzeigeland integriert seine 15% Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der Regelschule, allerdings unterstützen dort auch hoch qualifizierte Fachkräfte dauerhaft im Unterricht. Auf dem Weg zu einer echten Schule für alle müssten deutlich mehr Ressourcen für GU in den Grundschulbereich fließen, auch um Folgekosten zu vermeiden.

Unsere Forderungen und Vorschläge

 

 

Kontakt:

Brühler Elterninitiative "Gemeinsam Lernen -
für einen integrativen, gemeinsamen Unterricht -

von der Grundschule an"

c/o Alexander Sigel, Sprecher

Schwestern-Brünell-Weg 19, 50321 Brühl

Tel. 02232/154911 (Anrufbeantworter der Initiative)

Tel. 0221/470-5322 (dienstlich)

info@gemeinsam-lernen.net

http://www.gemeinsam-lernen.net/

Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft NRW
Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen e.V., Dortmund,

ein vom Kultusminister NRW anerkannter Elternverband

Die Initiative engagiert sich im Arbeitskreis "Gemeinsam Lernen" des Brühler Kinderschutzbundes.

Deutscher Kinderschutzbund (DKSB) Ortsverband Brühl e.V.

Geschäftsstelle Liblarer Straße 10, 50321 Brühl

Tel. 02232/49899

Kinderschutzbund-Bruehl@gmx.de

http://www.kinderschutzbund-bruehl.de/

Mitglied im Deutschen Kinderschutzbund Bundesverband e.V. und im
Deutschen Kinderschutzbund Landesverband NRW e.V.

Wenn Sie uns mit einer steuerabzugsfähigen Spende unterstützen wollen:

Kinderschutzbund, VR-Bank Rhein-Erft,
Konto 70 70 012, BLZ 371 612 89,

Verwendungszweck "Gemeinsam Lernen"

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